„Netzwerke und ihre Bedeutung“

Die diesjährige Cologne Music Week präsentierte wieder vielversprechende neue Acts im Quartier um den Stadtgarten – während Fachbesucher aus der Musikwirtschaft einen Konferenztag besuchen konnten, der vor allem die Bedeutung der „Kultur als Raum der Freiheit“ in Köln, zu der sich der neue Kulturentwicklungsplan Köln bekennt, diskutierte.

Vor allem das Panel „Netzwerke und ihre Bedeutung“ wartete mit vielen interessanten Einblicken auf. Einleitend präsentierte Melike Öztürk die Musicboard Berlin GmbH. Diese Institution verschreibt sich als zentrale Instanz in Berlin der Förderung der Popkultur. So vergibt sie einerseits direkte monetäre Förderungen an aufstrebende Künstler, andererseits unterstützt sie die Organisation von Festivals, so z.B. seit 2018 das fantastische Fête de la Musique. 2019 arbeitet das Musicboard immerhin mit einem Budget von 4,5 Mio. € – davon können Kölner Pop-Vertreter natürlich nur träumen.

Die anschließende Diskussion stand dann im Zeichen der Frage: was muss man tun, um seine Interessen erfolgreich im und als Netzwerk zu vertreten?

LINN MEISSNER, Projektmanagerin bei popNRW, Board Member bei Music Women Germany, ist z.B. vielfach vernetzt. Mit popNRW fördert sie junge Künstler aus NRW vor allem für die internationale Karriere. Music Women Germany ist die nationale Plattform zur Vertretung der Interessen von Frauen in der Popkultur. Ein Erfolgbaustein ist sicherlich die Möglichkeit, wie bei Linn Meissner gleich in diversen Netzwerken aktiv zu sein, um Synergieeffekte auszuloten.

HEIKE SCHÄTZE ist die 1. Vorsitzende der Live Initiative NRW – LINA e.V. Ausgehend von Krefeld und Umgebung, versucht sie derzeit Veranstaltungsstätten in NRW für die Mitgliedschaft in LINA zu akquirieren, um eine Interessenvertretung auf Landesebene zu erreichen; ein Ansatz, den Städte wie Köln mit der Klubkomm schon gegangen sind. Deshalb hat Heike Schätze auch besonders die ländlichen Räume im Visier – denn Clubs und Hallen dort gehören eben meist keinem Netzwerk an und haben es besonders schwer, Gehör in der Politik zu finden. Derzeit versucht LINA, eine Datenbank mit wichtigen gesetzlichen Regelungen für die Livebranche in NRW aufzubauen; Unterstützung bei rechtlichen Fragen und bei der GEMA-Abrechnung sind einige der Themen, die man seinen Mitgliedern anbieten wird.

NORBERT OBERHAUS, Chef der cologne on pop GmbH, wies mehrfach auf die Relevanz der Bündelung der Aktivitäten der verschiedenen Netzwerke in NRW hin. Die Koordination der Initiativen lasse noch viel Luft nach oben. Allerdings sei Besserung in Sicht: analog dem music board Berlin sei ein „music office NRW“ in Planung. Denn eins sei klar: NRW wird derzeit in diesem Segment nicht gehört bei den Bundespolitikern – vor allem im Vergleich zu Pop-Standorten wie Berlin oder Hamburg!

Hier konnte sich auch LORENZ DEUTSCH (FDP, MdL, Sprecher des Ausschusses für Kultur und Medien des Landes NRW) in die Runde einschalten. Denn leider gibt es in NRW keine eigene Abteilung „Pop“ im Ministerium für Kultur. Man findet dort zwar Ansprechpartner für „Musik“ im Allgemeinen – doch das bedeutet nach guter alter Ministeriumstradition: E-Musik. Hochkultur vs. Pop – diese Trennung findet er wie die anderen Diskutanten unzeitgemäß, und er forderte die Vertreter der Pop-Musikbranche auf,jetzt endlich „Türen einzutreten“. Was gebraucht wird, sei stringente Lobbyarbeit, so wie es eigentlich alle Wirtschaftsverbände erfolgreich vormachen. Gemeinsam mit Norbert Oberhaus konstatierte er, dass gerade jetzt durch die neue CDU/FDP-NRW-Regierung ein gutes Momentum erreicht sei, um die Interessen der Popkultur in Düsseldorf eindrucksvoll zu Gehör zu bringen!

music office NRW

Einig waren sich am Ende alle: Netzwerken in popkulturellen und kreativwirtschaftlichen Belangen ist in NRW weitaus komplexer als in Berlin oder Hamburg – NRW als großes Flächenland mit divergierenden Interessen der Städte und Kreise ist verdammt schwer unter einen Hut zu bekommen. Der Reflex „Schon wieder Köln!“ ist sehr ausgeprägt im Lande – wenn es darum geht, Pop an der Rheinschiene zu fördern, sind die Eifersüchteleien in Westfalen oder im Ruhrgebiet ausgeprägt. Das music office NRW kann deshalb ein riesiger Schritt bei der Bündelung der Interessenvertretung sein – damit NRW nicht hinter den großen kulturellen Ballungszentren zurückfällt.

 

Text von Martin Hannig, entertaim.net